Seui

Su Prugadoriu in Seui 2026: Allerseelenfest in der Ogliastra

The village of Seui on the mountainside among the woods
© Renatolai · Wikimedia Commons · Public domain

Vom 30. Oktober bis 1. November 2026 feiert das Bergdorf Seui am Rand der Ogliastra im Osten Zentralsardiniens Su Prugadoriu, sein Fest zu Ehren der Seelen der Verstorbenen. Drei Tage mit Kindern, die mit Laternen von Tür zu Tür ziehen, traditionellen Masken, kräftiger Bergküche und einer Altstadt, die wie ein Freilichtmuseum wirkt.

Su Prugadoriu: Geschichte und Bedeutung des „sardischen Halloween“

Su Prugadoriu bedeutet wörtlich „das Fegefeuer“. Nach sardischer Überlieferung kommen zwischen Allerheiligen und Allerseelen die Seelen, die zwischen Erde und Paradies schweben, den Lebenden nahe. Diese helfen ihnen mit Gebeten, Speisen und kleinen Gaben. Der Brauch ist alt und in vielen Dörfern des Inselinneren verbreitet. Manche nennen ihn „sardisches Halloween“ – Ursprung und Geist sind jedoch andere.

Im Mittelpunkt stehen die Kinder. Bei Einbruch der Dunkelheit ziehen sie durch die Gassen, früher nur von Laternen beleuchtet, und bitten an den Türen um eine Gabe po is animas, „für die Seelen“. Es gibt weder Verkleidungen noch Streiche: Man schenkt Süßes, Nüsse, Brot oder ein paar Münzen – als Akt der Nächstenliebe im Gedenken an die eigenen Toten. In mehreren Dörfern gehörten ausgehöhlte, beleuchtete Kürbisse zu diesen Riten, lange bevor das amerikanische Halloween in Mode kam.

Seui hat aus dieser Tradition ein Dorffest gemacht, das 2026 seine 30. Ausgabe erlebt und zu den bekanntesten seiner Art auf der Insel gehört.

Was in Seui bei Su Prugadoriu passiert

Drei Tage lang füllt sich die Altstadt mit Ständen, Werkstätten und Aufführungen. Die Höhepunkte:

  • Der Heischegang für die Seelen: Der Brauch der Kinder wird am Samstagabend nachgestellt – der stimmungsvollste Moment.
  • Traditionelle Masken, darunter die von Seui, S’Urtzu e sa Mamulada, Karnevalsfiguren aus der Welt der Hirten; 2026 ist zudem ein Umzug mit Gastmasken angekündigt.
  • Is mangasinus: alte Lagerräume und Keller der Altstadt, geöffnet für Handwerker und Erzeuger.
  • Werkstätten, in denen Sie lernen, Culurgionis, Brot und frische Pasta zuzubereiten, dazu Ton- und Keramikkurse.
  • Musik, Tanz und Straßentheater, Filmvorführungen, Ausstellungen und Buchvorstellungen.
  • Geführte Ausflüge rund um Seui, Seulo und Ussassai sowie ins alte Bergbaugebiet.
  • Der Kürbiswurf als fröhlicher Abschluss am Sonntag.

Uhrzeiten und das vollständige Programm veröffentlicht die Gemeinde Seui – bitte vor der Reise prüfen.

The Ardasai nuraghe on the hill above Seui
© Hans Hillewaert · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Was man isst und mitnimmt

Die Küche von Seui ist bodenständige Bergküche, eng mit dem Jahreslauf der Hirten verbunden. Beim Fest finden Sie:

  • Culurgionis: die berühmten Teigtaschen der Ogliastra mit Füllung aus Kartoffeln, Käse und Minze, von Hand mit einem ährenförmigen Zopf verschlossen – das traditionelle Gericht der Totentage.
  • Civargius und civargeddus prenus: das typische Brot von Seui, auch gefüllt.
  • Geröstete Kastanien, Wurstwaren sowie Schafs- und Ziegenkäse.
  • Weitere Gerichte wie Kichererbsen mit Speck und Kartoffeln oder Fleisch vom Grill.

Zum Mitnehmen: Brot und Trockengebäck, gereifter Käse, Wurst und Handwerk direkt vom Hersteller.

Sehenswertes in Seui und Umgebung

Seui liegt auf rund 800 Metern an den Südhängen des Gennargentu und hat etwa 1.300 Einwohner. Mit seinen Steinhäusern, geschnitzten Holztüren und schmiedeeisernen Balkonen gilt es als „Museumsdorf“ – dank eines Netzes kleiner Museen:

  • Das Spanische Gefängnis, von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1975 in Betrieb, mit Zellen und Dokumenten zur Justiz vergangener Zeiten.
  • Die Palazzina Liberty, ein Jugendstilbau mit Museum für Kunst und Volkstraditionen.
  • Casa Farci, Geburtshaus des Schriftstellers Filiberto Farci, Mitbegründer der Sardischen Aktionspartei.
  • Sa Omu ‘e sa Maja, gewidmet Magie, Volksglauben und alten Riten – ideal zur Einstimmung auf das Fest.
  • Die Städtische Galerie im Rathaus und die Pfarrkirche Santa Maria Maddalena.

Außerhalb des Ortes liegen der Nuraghe Ardasai – einer der für Sardinien typischen bronzezeitlichen Steintürme – auf etwa 1.000 Metern und der weitläufige Wald von Montarbu mit Steineichen, Felswänden, Wasserfällen, Rothirschen, Damhirschen und Mufflons. In der Nähe ragt Perda Liana auf, ein markanter Felsturm und Naturdenkmal. Seui war auch ein Bergbauort mit der einzigen Anthrazitlagerstätte Sardiniens. Die Nachbardörfer Seulo, Sadali und Ussassai lohnen einen Abstecher.

Anreise nach Seui und praktische Tipps

Vom Flughafen oder Hafen Cagliari fahren Sie etwa 2 Stunden über Mandas und die Staatsstraße SS198. Von den Flughäfen Olbia und Alghero sollten Sie mindestens 3 Stunden einplanen, über Nuoro und die Straße Richtung Lanusei. Der nächste Hafen ist Arbatax an der Küste der Ogliastra. Die Touristenbahn Trenino Verde hält in Seui nur im Sommer; Regionalbusse der ARST fahren ganzjährig, aber selten – ein Mietwagen ist die bequemste Lösung.

  • Kommen Sie am Nachmittag und bleiben Sie bis zum Abend – im Dunkeln wirken die Rituale am stärksten.
  • Warme Kleidung: Ende Oktober sind die Abende in den Bergen kühl; auch eine Regenjacke einpacken.
  • Bargeld für Stände und kleine Erzeuger.
  • Früh buchen: Die Betten in Seui und Umgebung sind knapp, und der 1. November ist in Italien Feiertag.

Su Prugadoriu Seui 2026: häufige Fragen

Wann findet Su Prugadoriu in Seui 2026 statt?

Von Freitag, 30. Oktober, bis Sonntag, 1. November 2026.

Ist Su Prugadoriu das sardische Halloween?

Es gibt Ähnlichkeiten – Kinder an der Haustür, leuchtende Kürbisse –, aber Su Prugadoriu ist eine eigenständige sardische Tradition des Totengedenkens. Die Gaben werden „für die Seelen“ erbeten, ohne Kostüme oder Streiche.

Was isst man bei Su Prugadoriu?

Vor allem Culurgionis, das typische Brot von Seui, Kastanien, Wurstwaren und regionalen Käse.

Wo finde ich das Programm?

Auf der Website und der Facebook-Seite der Gemeinde Seui, wo Zeiten und Orte veröffentlicht werden.

Quelle: www.paradisola.it