Carloforte

Fest der Madonna dello Schiavo in Carloforte 2026

Facade of the church of the Madonna dello Schiavo in Carloforte
© trolvag · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Am Sonntag, dem 15. November 2026, feiert Carloforte, der einzige Ort auf der Insel San Pietro vor der Südwestküste Sardiniens, die Madonna dello Schiavo („Madonna des Sklaven“). Die kleine Statue mit dunklem Gesicht erinnert an die Verschleppung der Einwohner durch tunesische Korsaren Ende des 18. Jahrhunderts – und an ihre Heimkehr. Es ist das innigste Fest der tabarkinischen Gemeinschaft: ein Tag des Glaubens und der Erinnerung auf einer Insel, die sich im November ruhig und ursprünglich zeigt.

Die Geschichte der Madonna dello Schiavo

Die Geschichte beginnt weit weg. 1542 ließen sich Korallenfischerfamilien aus Pegli bei Genua auf der Insel Tabarka vor der Küste des heutigen Tunesien nieder. Zwei Jahrhunderte später, 1738, besiedelten ihre Nachfahren, die Tabarchini, die damals unbewohnte Insel San Pietro und gründeten einen Ort, den sie zu Ehren König Karl Emanuels III. von Savoyen Carloforte nannten.

Am 2. und 3. September 1798 überfielen tunesische Korsaren die Insel und verschleppten rund 900 Menschen, fast die gesamte Bevölkerung, nach Tunis. Die Gefangenschaft dauerte fast fünf Jahre. Der Überlieferung nach fand einer der Sklaven, Nicola Moretto, am Strand von Nabeul eine kleine Holzstatue einer Madonna mit schwarzem Gesicht, vermutlich eine Galionsfigur. Die Gefangenen versammelten sich, angeführt vom jungen Priester Nicolò Segni, der freiwillig bei ihnen geblieben war, um dieses Bild zum Gebet.

1803 kamen die Carlofortini frei, nach Zahlung eines hohen Lösegelds und diplomatischem Druck – auch aus Frankreich – auf den Bey von Tunis; die erste Gruppe kehrte am 4. Juni zurück. Sie brachten die Statue mit, und Pfarrer Segni ließ für sie ein Oratorium bauen. Viele kamen nicht zurück: Eine Gedenktafel erinnert an die 117 Tabarchini, die in der Sklaverei starben.

Was am 15. November in Carloforte geschieht

Für die Carlofortini ist der 15. November fast ein Pflichttermin; wer auswärts lebt, versucht zurückzukommen. Der Tag dreht sich um die Gottesdienste und gipfelt am Abend in der Prozession, bei der die Statue mit dem dunklen Gesicht durch das Zentrum getragen wird, zwischen Hafen und bunten Gassen. Ein stilles, tief empfundenes Fest, ganz anders als die großen Sommerfeste Sardiniens: Hier zählen Erinnerung und Gemeinschaft.

Die Verehrung verbindet Tabarchini auch anderswo: Für die Ausgewanderten wird in Cagliari in der Basilika von Bonaria eine Messe gefeiert, und auch in Carlofortes Partnerstadt Pegli wird das Fest begangen. Die Zeiten von Messen und Prozession geben die Pfarrei und die Gemeinde (Comune) Carloforte bekannt – bitte vor der Reise prüfen.

The face of the statue of the Madonna dello Schiavo venerated in Carloforte
© Andrea Luxoro · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Was man in Carloforte isst: die tabarkinische Küche

Die Küche von Carloforte ist auf Sardinien einzigartig, denn sie verbindet ligurische und nordafrikanische Wurzeln. Das Leitgericht ist Cascà, ein Grieß-Couscous mit Gemüse und Hülsenfrüchten, ein Erbe der tunesischen Zeit. Dazu kommt der Rote Thunfisch, dank der Tonnara (traditionelle Thunfischfanganlage) seit Jahrhunderten Rückgrat der Inselwirtschaft und jeden Frühling beim Girotonno gefeiert. Im November finden Sie ihn vor allem eingelegt – ideal zum Mitnehmen. Probieren Sie auch die Farinata, einen Kichererbsenfladen direkt aus der ligurischen Tradition.

Als Souvenir lohnen neben Thunfischkonserven die kleinen Läden der Altstadt und Gegenstände, die mit der Seefahrertradition der Insel verbunden sind.

Sehenswertes in Carloforte und auf der Insel San Pietro

Besuchen Sie vor oder nach der Prozession das Oratorium der Madonna dello Schiavo in der Via XX Settembre, auf Tabarkinisch Gexetta d’u Prevìn, „das Kirchlein des kleinen Priesters“, zur Erinnerung an Pfarrer Segni. Neben der Statue und den Votivgaben liegen hier die sterblichen Überreste eines unbekannten Sklaven, 1988 aus Tunis überführt, sowie die Gedenktafel für die Toten der Gefangenschaft.

Der Ort lässt sich gut zu Fuß erkunden: die Uferpromenade mit dem Denkmal für Karl Emanuel III., Reste der Stadtmauer mit der Porta del Leone, die Kirche der Novelli Innocenti und der Turm San Vittorio, heute ein Multimedia-Museum zur Ortsgeschichte. Hören Sie den Menschen zu: Tabarkinisch, eine Mundart ligurischen Ursprungs, ist hier noch Alltagssprache.

Außerhalb des Ortes bietet die Insel auch im Herbst großartige Landschaften: den Leuchtturm von Capo Sandalo an der Westspitze, berühmt für seine Sonnenuntergänge, die Klippen von La Conca, die Felsnadeln Le Colonne und Buchten wie Cala Fico, La Bobba und Cala Vinagra. Nahe dem Ort liegen die Salinen, in denen man häufig Flamingos sieht.

Anreise nach Carloforte und praktische Tipps

Carloforte ist nur übers Meer erreichbar. Fähren fahren ab Portovesme (etwa 40 Minuten) und ab Calasetta auf der Insel Sant’Antioco (etwa 30 Minuten). Nächster Flughafen ist Cagliari-Elmas, rund eine Autostunde von Portovesme entfernt. Von Alghero oder Olbia dauert die Reise mehrere Stunden – Cagliari ist klar die beste Wahl.

  • Wetter und Fähren: Im November kann der Wind stark sein und Überfahrten können sich ändern; prüfen Sie den aktuellen Fahrplan und planen Sie Puffer ein.
  • Ankunft: Die Prozession ist abends – reisen Sie tagsüber oder am Vortag an und übernachten Sie.
  • Unterkunft: Außerhalb der Saison sind manche Betriebe geschlossen, also rechtzeitig buchen.
  • Auto oder nicht: Den Ort erkundet man zu Fuß; ein Auto braucht man nur für die Insel.
  • Kleidung: eine winddichte Jacke und bequeme Schuhe für die gepflasterten Gassen.

Häufige Fragen zur Madonna dello Schiavo 2026

Wann wird die Madonna dello Schiavo in Carloforte 2026 gefeiert?

Am Sonntag, 15. November 2026. Das Fest findet jedes Jahr am 15. November statt, mit Gottesdiensten und einer abendlichen Prozession durch den Ort.

Warum hat die Madonna dello Schiavo ein schwarzes Gesicht?

Es handelt sich um eine kleine dunkle Holzstatue, vermutlich eine Galionsfigur, die der Überlieferung nach während der Gefangenschaft der Carlofortini (1798–1803) am Strand von Nabeul in Tunesien gefunden wurde.

Wo befindet sich die Statue?

Im Oratorium der Madonna dello Schiavo in der Via XX Settembre in Carloforte, zusammen mit Votivgaben und dem Gedenken an die tabarkinischen Sklaven.

Wie kommt man im November nach Carloforte?

Mit den ganzjährig verkehrenden Fähren ab Portovesme oder Calasetta. Vom Flughafen Cagliari nach Portovesme sind es etwa eine Stunde mit dem Auto.

Quelle: siviaggia.it