Dessert · g.g.A.

Seadas (Sebadas)

Frittierte sardische Seadas mit Honig
© Pietro Di Fontana · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Fragt man Sarden nach dem Dessert, das nach Zuhause schmeckt, hört man fast immer dieselbe Antwort: die Seada. Eine goldene Scheibe aus Hartweizenteig, knusprig frittiert, gefüllt mit frischem, Fäden ziehendem Käse und übergossen mit warmem Honig. Süß und salzig, knusprig und weich zugleich – das klingt nach moderner Küche, stammt aber direkt aus der Welt der sardischen Hirten. Auf Sardisch heißt sie sebada, sevada, savada oder seatta; “Seadas” ist die Mehrzahl.

Geschichte und Bedeutung

Die Seada entstand auf dem Land, wo es immer drei Dinge gab: Weizen, Käse und Honig. Ursprünglich war sie kein Dessert, sondern ein sättigendes Hauptgericht. Der Überlieferung nach bereitete man sie zu, um die Hirten nach der Transhumanz willkommen zu heißen – als Dank für Monate bei den Herden fern von zu Hause.

Nach dem Sprachforscher Max Leopold Wagner kommt der Name von sebu, tierischem Fett: Früher knetete man den Teig mit Schaftalg, der ihm seinen Glanz gab. Wo genau sie entstand, ist umstritten – manche Forscher verorten sie in den Bergen zwischen nördlicher Ogliastra und Barbagia, um Dorgali und Urzulei. Heute ist sie das Dessert der ganzen Insel.

Zutaten und Varianten

  • Teig: Hartweizengrieß, Wasser und Schmalz;
  • Füllung: frischer, leicht säuerlicher Käse – traditionell Pecorino, oft auch Kuhmilchkäse;
  • Aroma: geriebene Zitronen- oder Orangenschale;
  • Belag: sardischer Honig oder Zucker.

Manche Familien schmelzen den Käse vorher mit etwas Milch, andere verwenden ihn roh. Bei ammerrare sas seadas werden die Seadas in heißen Honig getaucht, gestapelt und mit dem restlichen Honig übergossen.

Ein g.g.A.-Produkt

Im Juli 2023 hat die EU die Sebadas di Sardegna als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) eingetragen, unter sechs Namen: Sebadas, Seadas, Sabadas, Seattas, Savadas und Sevadas. Die Spezifikation verlangt die Herstellung auf Sardinien, Schmalz im Teig, eine Füllung aus Schafs-, Ziegen- oder Kuhmilchkäse mit Zitrusschale, Honig oder Zucker als Belag und ein Höchstgewicht von 300 Gramm.

Wie man sie isst

Am besten frisch frittiert, wenn der Teig knistert und der Käse Fäden zieht. Klassisch ist Blütenhonig; der herbe Erdbeerbaumhonig (corbezzolo) ist etwas für Liebhaber starker Kontraste. Dazu passt ein sardischer Dessertwein wie Malvasia di Bosa, Moscato di Sardegna, Vernaccia di Oristano oder Anghelu Ruju.

Wo man sie probiert

Seadas gibt es auf ganz Sardinien, in Restaurants, Trattorien und Agriturismi. Fragen Sie, ob sie hausgemacht und frisch frittiert sind – das schmeckt man. Etwas Besonderes ist Badde Salighes in den Bergen von Bolotana: Dort richtete die Pro Loco eine gut besuchte Sagra della Seada aus (2023 Anfang September – aktuellen Termin prüfen). Viele Bauernhöfe bieten außerdem Kochkurse an, in denen man sie selbst zubereitet.

Häufige Fragen

Ist die Seada süß oder herzhaft?

Beides: Die Käsefüllung ist herzhaft, der Honig macht sie süß. Heute ein Dessert, früher ein Hauptgericht der Hirten.

Seadas oder Sebadas?

Beides ist richtig, je nach Gegend. Die g.g.A. erkennt sechs Schreibweisen an.

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