Was man in Orgosolo unternehmen kann
Orgosolo auf Sardinien: berühmte Wandbilder, Wandern im Supramonte, Wald von Montes, Essen bei den Hirten, Canto a tenore und Feste.

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Orgosolo ist ein Hirtendorf im Herzen der Barbagia, auf etwa 620 Metern Höhe und rund eine halbe Autostunde von Nuoro entfernt. Weltbekannt ist es für seine Wandbilder (murales), die die Hausfassaden in eine große Erzählung über Geschichte, soziale Kämpfe und Alltag verwandeln. Dahinter beginnt das Supramonte, eine der wildesten Landschaften Italiens mit Kalkhochebenen, uralten Wäldern und tiefen Schluchten. Hier finden Sie das ursprünglichste Sardinien – ideal für neugierige Reisende, Wanderer und Freunde der Volkskultur.
Sehenswürdigkeiten in Orgosolo
Die Wandbilder
Das erste Wandbild malte 1969 ein Mailänder Künstlerkollektiv; ab 1975 schuf der Lehrer Francesco Del Casino mit seinen Schülern viele weitere entlang der Hauptstraße, später kamen einheimische und ausländische Künstler hinzu. Heute sind es weit über 150: Sie erzählen von Hirten und Arbeit, von Kriegen und Rechten, von sardischen und internationalen Ereignissen, oft in einem dem Kubismus nahen Stil. Ein Spaziergang über den Corso Repubblica und durch die Seitengassen ist wie ein Geschichtsbuch unter freiem Himmel.
Ortskern und Kirchen
Im Dorf stehen mehrere alte Kirchen: die Pfarrkirche San Pietro aus dem 14. Jahrhundert, die kleine Sant'Antonio, eine der ältesten, San Nicola aus dem 15. Jahrhundert und die Kirche der Assunta aus dem 17. Jahrhundert. Zwischen den Steinhäusern spüren Sie eine Gemeinschaft, die eng mit ihren Traditionen verbunden ist.
Der Wald von Montes und der Monte Novo San Giovanni
Südlich des Dorfes erstreckt sich der Wald von Montes mit jahrhundertealten Steineichen, Eiben, Stechpalmen und Wacholder sowie den pinnettos, Hirtenhütten aus Stein und Holz. Hier entspringt an der Quelle Funtana Bona der Fluss Cedrino. Darüber thront der Monte Novo San Giovanni, ein über 1.300 Meter hoher Kalkgipfel mit grenzenlosem Blick über Supramonte und Gennargentu.
Supramonte und Archäologie
Das Supramonte von Orgosolo ist eine Karsthochebene mit Höhlen, Dolinen und weißen Felswänden. Ein Höhepunkt ist die etwa 500 Meter breite Doline Su Suercone; am Rand des Gemeindegebiets öffnet sich die Schlucht Gorropu, einer der tiefsten Canyons Europas. Dazu kommen rund dreißig Nuraghen, Gigantengräber, Menhire und Domus de Janas (Felsgräber).
Was man in Orgosolo unternehmen kann
Das Supramonte entdecken Sie am besten mit einem erfahrenen Guide: Das Gebiet ist weitläufig, kaum ausgeschildert und wasserarm, und ein Begleiter bringt Sie sicher zu den schönsten Stellen. Sie können im Geländewagen nach Montes und zum Monte Novo San Giovanni fahren, durch Wälder und Hochebenen wandern, zu den Dolinen aufbrechen oder den Gorropu-Canyon erreichen. Ein typisches Erlebnis ist das Mittagessen bei den Hirten unter freiem Himmel, mit Braten, Käse und Canto a tenore. Im Dorf lohnt eine Führung zu den Wandbildern, die Bedeutung und Geschichte jedes Bildes erklärt. Die Anbieter vor Ort bieten Wanderungen, Jeep-Touren und Tage bei den Hirten an – Sie finden sie weiter unten, direkt buchbar.
Geschichte
Felsgräber und Menhire belegen eine Besiedlung seit der Jungsteinzeit; in nuraghischer Zeit war das Gebiet mit Türmen und Dörfern übersät, auch punische und römische Funde kamen zutage. Urkundlich erscheint das Dorf ab dem 14. Jahrhundert, verbunden mit dem Judikat (mittelalterlichen Königreich) Arborea, später gehörte es den Aragonesen und verschiedenen Feudalherren. Jahrhundertelang prägte die Wanderweidewirtschaft das Leben. Im 20. Jahrhundert wurde Orgosolo durch das Banditentum bekannt, das Vittorio De Seta im Film Banditi a Orgosolo (1961) schilderte, und durch den Protest von Pratobello 1969: Tausende Bewohner besetzten friedlich Weiden, die zu einem Truppenübungsplatz werden sollten, bis das Militär abzog. Aus dieser Zeit der Proteste entstanden auch die Wandbilder.
Essen und Einkaufen
Die Küche ist die der Hirten der Barbagia: Spanferkel und Lamm vom Spieß, Pecorino, Pane carasau und sa purpuzza, gewürztes Hackfleisch vom Schwein aus der Schlachtzeit – dazu Cannonau aus der Gegend. Das ungewöhnlichste Produkt ist su lionzu, das gelbe Seidenband der Frauentracht, aus im Dorf gezüchteten Seidenraupen gewonnen und mit Safran gefärbt: eine äußerst seltene Kunst. Außerdem gibt es handgemachte Messer und Textilien.
Feste und Traditionen
- Sant'Antonio abate (17. Januar): große Feuer auf den Plätzen.
- San Marco (25. April): Verteilung von sa ita, Brot und Fleisch für die Gläubigen.
- Assunta (15. August): das wichtigste Fest, mit Prozession der schlafenden Madonna, Trachten und sa vardia, einem spektakulären Pferderennen durch die Straßen.
- Gustos e Nuscos (Oktober): Orgosolos Etappe von Autunno in Barbagia mit offenen Höfen und lokalen Spezialitäten.
Orgosolo ist eine Hochburg des Canto a tenore, des vierstimmigen Gesangs, den die UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt hat.
Umgebung
- Oliena (ca. 25 Minuten): Quelle Su Gologone und Monte Corrasi.
- Mamoiada (ca. 20 Minuten): Maskenmuseum und Mamuthones.
- Nuoro (ca. 30 Minuten): Museen und das Haus von Grazia Deledda.
- Dorgali und Cala Gonone (ca. eine Stunde): das Meer am Golf von Orosei.
Anreise und beste Reisezeit
Von Nuoro erreichen Sie Orgosolo mit dem Auto in etwa einer halben Stunde. Nächster Flughafen und Fährhafen ist Olbia, rund anderthalb Stunden entfernt; von Cagliari rechnen Sie mit etwa zweieinhalb Stunden. Frühling und Herbst sind ideal für Wanderungen im Supramonte; im Sommer sollten Sie früh am Morgen losgehen. Mitte August ist die Zeit des Assunta-Festes.
Häufige Fragen
Wie viele Wandbilder gibt es in Orgosolo?
Mehr als 150, und es werden immer mehr; die bekanntesten säumen den Corso Repubblica.
Wie viel Zeit braucht man für Orgosolo?
Zwei bis drei Stunden genügen für Wandbilder und Ortskern; für Supramonte oder den Wald von Montes planen Sie mindestens einen ganzen Tag ein.
Kann man das Supramonte allein erkunden?
Nur als erfahrener, gut ausgerüsteter Wanderer: Die Wege sind kaum markiert, Wasser ist knapp. Den meisten Besuchern ist ein Guide zu empfehlen.





